Schlagwort: Diätkultur

  • KW 010 Wie du konstruktiv mit der Zahl auf der Waage umgehst

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    Diese Folge schließt die Wiege-Trilogie ab und führt vom historischen und psychologischen Blick hin zur praktischen Frage: Wie kannst du mit der Zahl auf der Waage konstruktiv umgehen – wenn du sie überhaupt nutzen willst?

    Marianne Brenninger erklärt, warum die Zahl allein nichts über dich aussagt, wie du wissenschaftlich denken kannst, wenn du messen willst, und wann es gesünder ist, die Waage einfach stehen zu lassen.
    Sie spricht darüber, dass Gewicht nur im Kontext Sinn ergibt – etwa durch Wasserhaushalt, Muskelaufbau, Schlaf, Stress oder Zyklus.
    Und sie zeigt, dass echte Selbstbeobachtung immer Beziehung braucht – nicht Bewertung.

    Solange die Zahl dich bewertet, ist die Waage dein Feind.
    Erst wenn du sie verstehen willst, wird sie zu einem Werkzeug.

     

    Quellen und weiterführende Literatur – Folge KW009 „Die Geschichte des Wiegens“

    1. Bivins, R. (2016) – “Should be in every home”: Selling health through the bathroom scale.
    Social History of Medicine, 29 (4), 757–780. Oxford University Press.
    https://academic.oup.com/shm/article/29/4/757/2660184

    2. Eknoyan, G. (2008) – Adolphe Quetelet (1796-1874) – the average man and indices of obesity.
    Nephrology Dialysis Transplantation, 23 (1), 47–51.
    https://academic.oup.com/ndt/article/23/1/47/1923176

    3. Keys, A. et al. (1972) – Indices of relative weight and obesity.
    Journal of Chronic Diseases, 25 (6–7), 329–343.

    4. Lederer, S. E. (2012) – Measuring Up: The Public Weighing Machine and the Moral Economy of Health.
    Journal of Social History, 45 (4), 1077–1102.

    5. Science Museum London – Sammlung „Weighing and Measuring Instruments“.
    Historische Münzwaagen und Haushaltsmodelle.
    https://collection.sciencemuseumgroup.org.uk

    6. Puhl, R. M. & Heuer, C. A. (2010) – Obesity Stigma: Important Considerations for Public Health.
    American Journal of Public Health, 100 (6), 1019–1028.

  • KW 007 Fehlerkultur statt Diätkultur

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    In dieser Folge geht es um falsches Wissen, alte Studien, Diätlogik und den Umgang mit Fehlern. Marianne erzählt, warum Forschung nie endgültig ist, wie sportwissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse sich verändern und warum es sinnvoller ist, auf das eigene Nervensystem zu hören als auf widersprüchliche Trends. Eine Einladung, Fehler als Helfer zu sehen – und Wohlgefühl wieder zum Maßstab zu machen.

  • KW 002 Wie redest du eigentlich mit dir?

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  • KW 001 Heute ist ein guter Tag zu Starten

    Heute ist ein guter Tag zu Starten. Aber womit eigentlich?
    Die Zahl auf der Waage steigt. Du bist schneller aus der Puste und plötzlich kommt dieser Impuls. Wahrscheinlich wirst du es nicht zu sagen: Ich muss das Ruder jetzt rumreißen.
    Die Klamotten sitzen viel zu eng. Immer wenn ich in den Spiegel schaue – ich habe gerade hier meine Klamotten rumgezogen – du schaust in den Spiegel und das, was du siehst, nervt dich total.

    Was hättest du gerne? Irgendetwas anders.
    Also du willst jetzt endlich das Ruder rumreißen. Bevor du es merkst, bist du wieder mittendrin in einem neuen Plan. Neues Buch, neues Rezept, neue Vorsätze.
    Allein wenn ich das jetzt schon aufzähle, klingt es doch schon total stressig.

    Wenn du unzufrieden bist mit deiner Fitness oder deinem Gewicht, steigt automatisch der Stresslevel. Du musst niemandem erzählen, dass du dich unwohl fühlst – dein Körper sendet das ohnehin aus. Besteuert, oder?
    Und oft laufen im Hintergrund noch viele andere Programme: Erwartungen, Vergleiche, Gedanken wie „Ich müsste, ich sollte, ich darf nicht.“

    Genau da schauen wir jetzt hin.
    Das Wichtigste, was ich dir heute mitgeben möchte, ist: Schlank sein hat nichts mit glücklich sein zu tun.
    Und das Gleiche gilt natürlich auch für sportlich fit sein.

    Eine Erfahrung: Ich habe mit einer Kundin vor ein paar Jahren darüber geredet, dass sie festgestellt hat – vor 30 Jahren war sie über 15 Kilogramm leichter. Und das, was sie damals im Spiegelbild gesehen hat, fand sie genauso furchtbar wie jetzt mit 15 Kilogramm mehr.
    Sie sagt: „Das Gefühl ist immer noch genau das Gleiche.“

    Dein Körper ist kein Projekt. Er ist dein Zuhause.
    Und der Weg zurück zu dir führt nicht über Kontrolle, sondern über Verbindung.

    Ich habe das lange nicht verstanden. Wenn ich mit den Menschen zusammenarbeite – in den Kursen auf dem Minitrampolin, in der 1:1-Begleitung, in dem Mini-Kurs Stop Self Care oder im Aufbau-Kurs Echt Jetzt – in all diesen Arbeiten geht es um Embodiment, darum, wieder im eigenen Körper anzukommen.

    Das kann über Bewegung geschehen oder über kleine Momente, in denen du beginnst, die Regeln deines Körpers zu erkennen und konsequent nach ihnen zu leben.
    Es geht ums Wohlfühlen, ums Spüren und darum, dich selbst nicht länger zu übergehen.

    Du kontrollierst jeden Tag so viel – Termine, Familie, Arbeit, das Haus, das Essen und manchmal sogar die Laune der Menschen um dich herum.
    Du funktionierst. Und das ist ja auch wichtig.
    Und gleichzeitig: Denk dran, es hat alles seinen Preis.

    Denn wenn etwas nicht mehr nach Plan läuft, kommt sofort dieses Gefühl von Kontrollverlust.
    Und um das auszugleichen, greifst du noch fester zu – beim Essen, beim Sport, bei der Selbstoptimierung.
    Denk dran: Das ist kein Zeichen von Stärke. Es ist ein Zeichen von Erschöpfung.

    Du hast wahrscheinlich schon viele Dinge ausprobiert – gesünder gekocht, neue Rezepte gegoogelt, dich kurz besser gefühlt, und dann kam der Rückfall.
    Nicht weil du versagt hast, sondern weil dein Alltag sowieso schon bei 90 % läuft.

    Wenn du jetzt denkst, überleg mal kurz: Welche Zahl kommt dir in den Sinn? Wie hoch ist deine Alltagsbelastung in Prozent?
    Vielleicht läuft sie gerade schon bei dir um die 90 %.
    Und wenn du auf diese Alltagsbelastung noch neue Ansprüche obendrauf setzt, sagt dein Körper irgendwann ganz leise: „Stopp!“

    Das zeigt sich in Müdigkeit, Gereiztheit, Heißhunger, Frust oder diesem dumpfen Gefühl von nie genug zu sein – und der Selbstwahrnehmung, dass du dich überhaupt nicht leiden kannst.

    Weil das komplexe Zusammenspiel zwischen Körper, Stress, Hormonen, Erziehung, Glaubenssätzen und Lebensrhythmus komplett ausgeblendet wird.
    Dein Körper reagiert nicht auf Befehle, sondern auf Signale.
    Und wenn das Signal ständig „Alarm“ lautet, kann er nicht loslassen, locker lassen und regenerieren.

    Deswegen ist das Thema, sich wohlzufühlen im eigenen Körper, fit zu werden, abzunehmen und so weiter, nicht nur Kopfsache – es ist nervensystemrelevant.

    Wenn du ständig auf Funktionieren gestellt bist, übernimmt dein Sympathikus – der Teil deines Nervensystems, der dich antreibt, wachhält und durchhalten lässt.
    Nur: Er weiß nicht, wann Schluss ist.